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Mein Wahnsinn

Ich habe Angst, dass du mir meinen Wahnsinn nimmst
Mir den Abgrund unzugänglich machst
Ein rot-weißes Absperrband ziehst

Ich bitte dich

Hör auf mit deinen Versuchen
Mich in Sicherheit zu bringen
Mir Alltag
Und eine gut isolierte Wohnung zu geben

Ich kann darin nicht atmen
Ich ersticke fast

Mein Leben muss eine Gratwanderung sein
Ich möchte nicht vernünftig sein

Aus einem klaren Verstand kann nichts entspringen
Nur aus Chaos
Wildem Durcheinander
Planlosem Gewirr

Die Unordnung ordnet meine Tage an
Verwirrt meine Gedanken und Gefühle
Ein dunkler Cocktail
Von dem niemand genau weiß, was drin ist
Und noch weniger, was rauskommen kann

Die Ahnung des Falls ist allgegenwärtig
Hinab in den Abgrund
In dem ich mir die Haare ausreiße
Schreie wie ein wildes Tier
Und schaffe was da oben noch unmöglich war

So fürchterlich ist der Abgrund
So grenzenlos, unbändig
Dass er mich anzieht wie ein schwarzes Loch

Nur der Wahnsinn lässt mich fallen
Er macht aus meinen Augen
Ein Kaleidoskop

Er bereitet den dunklen Cocktail der Schöpfung

Deshalb bitte ich dich

Befreie mich aus deiner Umarmung
Gib mich auf

Ich bitte dich

Überlasse mich dem Wahnsinn
Meinem wunderschönen Wahn
sinn

Natalie Bock
veröffentlicht
Dieses Gedicht war Teil einer Soundinstallation im Rahmen des Angewandte Festival 2026 am Oskar-Kokoschka-Platz von Mittwoch den 30.06 bis Samstag, den 04.07.. Institut für Sprachkunst